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Bilder von Dir - Kapitel 2

Als der Wecker 45 Minuten später klingelte, war Marie nicht das, was man ausgeschlafen nennt. Sie betätigte zwei Mal die Snooze-Funktion ihres Weckers, bis sie das Klingeln des Festnetztelefons doch aus den Federn krabbeln ließ.
An der Nummer auf dem Display des Telefons erkannte die junge Redakteurin, dass es ihr Chef war, der sie gerade zu erreichen versuchte. 'Ich habe doch noch Urlaub', dachte sie und wartete darauf, dass der Anrufbeantworter sein Anliegen entgegennahm.

„Hallo Marie! Ich hoffe, Sie hatten bisher einen schönen Urlaub. Natürlich weiß ich auch, dass dieser noch nicht beendet ist. Leider haben wir momentan viele Krankheitsausfälle, so dass ich auf Sie zurückgreifen muss. Es handelt sich hierbei nur darum, die Recherchearbeiten von vor Ihrem Urlaub als endgültige Fassung bis Redaktionsschluss am Freitag abzugeben. Sie haben ja zusammen mit Cristina daran gearbeitet – sie ist aber nun einer der Krankheitsausfälle. Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören, und wünsche noch einen schönen Abend...“

Ein Seufzen entfuhr Marie. 'Das mache ich dann morgen', dachte sie und begab sich wieder in ihr Bad, um sich für das Essen mit ihren Eltern fertig zu machen. Anschließend zog sie sich im Schlafzimmer an, wo sie zuvor ihre Kleidung zurecht gelegt hatte. Sie schaute sich noch einmal im Spiegel an und war mit dem gelben Sommerkleid und den beigen Sandalen zufrieden, die sie ausgewählt hatte.
Dann schnappte sie sich ihr Handy vom Nachttisch und steckte es in die Handtasche, bevor sie sich ihren Schlüssel vom Schuhschrank nahm und die Wohnungstür abschloss.

An der Haustür fiel Marie auf, dass sie ihren Briefkasten noch leeren sollte, weil dieser schon fast überquoll. Im schlimmsten Fall würde sie noch ihre neugierige Nachbarin darauf aufmerksam machen und in ein endloses Gespräch verwickeln.
Sie öffnete den Briefkasten und überflog die Post. Es schien erst einmal nichts Dringendes dabei zu sein, so dass sie den Briefstapel auf den Beifahrersitz im Auto legte. 'Das mache ich dann wohl auch morgen', dachte sie und fuhr los.

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

Er saß in seinem Auto und nahm soeben die Kamera herunter. Behutsam legte er diese auf den Beifahrersitz, als wäre sie etwas – nein, jemand anderes, jemand Besonderes. Er startete den Motor und fuhr los. Vorsichtig fuhr er dem roten Peugeot nach. Sein Ziel war es, um keinen Preis aufzufallen.

So würde er noch viele weitere Fotos für sein Kunstwerk erhalten. Und wenn dieses fertiggestellt war, würde er es ihr präsentieren. Und sie würde es lieben – so wie sie ihn dafür lieben würde...

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

Marie parkte auf dem Parkplatz des chinesischen Restaurantes, bei dem sie mit ihren Eltern verabredet war. Scheinbar waren diese bereits hineingegangen, denn ihr Auto stand ebenfalls auf dem Parkplatz. Von ihnen selbst war aber nichts zu sehen. Marie schaute auf die Uhr und stellte fest, dass sie – natürlich – ein paar Minuten zu spät dran war. Sie schloss noch schnell das Auto ab und betrat den „goldenen Drachen“.
Sie blickte sich im Gastraum um und sah dann ihren Vater von einem der Tische aus winken. Marie nickte erkennend und steuerte den Tisch an.

„Hallo Schätzchen“, sagte ihr Vater und nahm sie in den Arm.
„Schön, Dich zu sehen“, fügte ihre Mutter hinzu und umarmte sie ebenfalls.
„Es ist auch schön, Euch zu sehen“, antwortete Marie und hängte ihre Tasche an den Stuhl.
„Wir haben Dir noch eine Kleinigkeit mitgebracht“, sagte ihre Mutter und überreichte ihr einen Blumenstrauß.
„Oh, danke. Ein zweiter wäre aber nicht nötig gewesen“, sagte Marie und legte den Strauß vorsichtig auf den freien Stuhl am Tisch.
„Ein zweiter Strauß?“, hakte der Vater direkt nach.
„Ja, heute Mittag stand Fleurop vor der Tür und hat mir auch einen gebracht. Ich dachte, der wäre von Euch.“
„Wir haben Dich zwar sehr lieb, aber da müssen wir Dich enttäuschen. Von uns gibt es nur einen Strauß Blumen pro Rückkehr aus dem Urlaub“, lachte die Mutter.
„Schade eigentlich“, antwortete Marie ebenfalls lachend.

Der Tisch der Justmanns hatte gerade seine bestellten Getränke erhalten und seinen ersten Gang zum Buffet gemacht, als Marie etwas einfiel. Sie schluckte einen Bissen herunter und sagte: „Ach, ich soll Euch übrigens von Sascha grüßen.“
„Oh, danke, grüß ihn ganz lieb zurück und richte ihm aus, dass wir ihn schon zu lange nicht mehr gesehen haben“, antwortete Maries Mutter.
„Ha, bestimmt ist der erste Blumenstrauß von ihm gewesen“, warf ihr Vater ein und lehnte sich mit den Ellbogen auf den Tisch.
„Ach, Papa, nicht schon wieder. Sascha ist mein bester Freund.“
„Aber er verfolgt dich auf Zwitter!“, entgegnete der Vater und Marie verschluckte sich an ihrem Alster.
„Twitter, es heißt Twitter. Und das mache ich momentan hauptsächlich wegen der Arbeit häufiger.“
„Wie Du meinst.“
„Papa, hör auf mit solchen...“, begann Marie, wurde aber durch ihre Mutter unterbrochen.
„Lass ihn reden. Du kennst ihn doch.“
„Na gut. Trotzdem ist Sascha nur ein Freund.“
„Wir glauben Dir das“, sagte ihre Mutter und machte eine Handbewegung, die verdeutlichen sollte, dass das Thema abgeschlossen sei – zumindest für heute.
„Erzähl uns lieber etwas von Deinem Urlaub.“

2 Kommentare 2.9.15 17:46, kommentieren

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Bilder von Dir - Kapitel 1

„Leute, es war mir ein Vergnügen, mit euch reisen zu dürfen“, sagte Marie, bevor das Auto, in dem sie saß, vor ihrer Haustür zum Stehen kam. „Uns auch“, lautete eine Antwort und „Das müssen wir wiederholen“ eine andere. Sie stieg aus dem Auto und holte ihre Tasche aus dem Kofferraum, dann winkte sie noch einmal den Personen im Auto und wandte sich zur Haustür.
Vor dieser stellte sie zunächst ihre Tasche wieder ab und suchte im Inneren nach ihrem Schlüsselbund. Als sie fündig geworden war, schloss sie erst die Haus- und dann die Wohnungstür auf.

'Zuhause', dachte sie, als sie ihre Wohnung betrat und gleich ein heimisches Gefühl hatte. Erneut stellte sie ihre Tasche ab und betrat dann ein Zimmer der Wohnung nach dem anderen, um nach dem Rechten zu sehen. Anschließend öffnete sie die Fenster, um die verbrauchte Luft der letzten zwei Wochen entweichen zu lassen.
Als sie im Wohnzimmer angekommen war, öffnete sie die Balkontür und trat hinaus in die warmen Sonnenstrahlen. Einen Moment verweilte sie dort, die Arme auf das Balkongeländer gestützt, und sah sich um. Auf dem Nachbarbalkon war die Katze zu sehen und von unten Gelächter zu hören. Auf dem Dach des ca. 100 Meter entfernten gegenüberliegenden Nachbarhauses saßen einige Möwen, die der Umgebung eine eigene Urlaubsstimmung verliehen.
Marie ging wieder hinein und steuerte die Küche an. Auf dem Küchentisch stand noch eine angebrochene Schachtel Pralinen, die sie – natürlich ungeöffnet – für ihre Mutter hingestellt hatte, die sich in der Urlaubszeit um ihre Blumen kümmerte.

Marie griff gerade nach der Schachtel und gönnte sich eine Praline mit kleinen Nussstückchen, als es an der Haustür klingelte. Sie war schon darauf eingestellt, dass es sich bei dem Besucher um Frau Wilken, ihre neugierige Nachbarin, handelte. Wahrscheinlich war während der Urlaubszeit irgendetwas in der näheren Umgebung passiert, dass Frau Wilken zufällig mitbekommen hatte und ihr nun erzählen musste.
Sie öffnete die Wohnungstür und sah einen Boten vor der Haustür stehen. 'Glück gehabt', dachte sie und öffnete die Tür.
„Moin, sind Sie Frau Justmann?“, fragte er mit einem Blumenstrauß in der Hand.
„Ja, das bin ich.“
„Dann sind die hier für Sie“, sagte der Mann, den Marie jetzt anhand des am Straßenrand parkenden Lieferwagens als Fleurop-Fahrer erkannte, und drückte ihr einen Strauß Rosen in die Hand.
„Oh, danke“, sagte Marie etwas verblüfft.
„Gerne. Einen schönen Tag noch“, antwortete er und ging wieder zum Lieferwagen.
„Den wünsche ich Ihnen auch“, antwortete Marie und ging wieder in ihre Wohnung zurück.
Dort suchte sie zunächst eine Blumenvase und stellte den Strauß ins Wasser. Erst da fiel ihr die Karte auf, die zwischen den Rosen steckte. Sie griff nach der Karte, klappte sie auf und las „Schön, dass Du wieder zurück bist.“
Die junge Frau überlegte gerade, wer ihr diesen Blumenstrauß geschickt haben könnte, als plötzlich ihr Handy piepste. Sie griff in ihre Hosentasche und las die eingegangene Nachricht von ihrem Vater.
„Hallo Schätzchen, bleibt es bei unserer Verabredung zum Essen um 18 Uhr? Wir würden doch gerne etwas über Deinen Urlaub erfahren...“
Das Essen hatte sie fast vergessen, tippte jedoch schnell „Na klar, ich freue mich schon drauf“ als Antwort an ihren Vater.
Anschließend füllte Marie zunächst ihre Waschmaschine mit dem Inhalt ihrer Urlaubstasche. Als sie gerade die letzten Dinge wie ihre Reiseapotheke und das Buch, das sie gerade las, an deren angestammten Plätze verräumte, fiel ihr auf, dass ihre Kamera fehlte. Sie schaute nochmal in allen Fächern der gerade geleerten Tasche sowie in ihrem Rucksack nach, doch auch dort war die Kamera nicht zu finden.

Marie seufzte. Schnell zog sie ihr Handy aus der Hosentasche und wählte die Nummer ihres besten Freundes Sascha, der ebenfalls mit zur Reisegruppe gehörte. Tuuut – tuuut – tuuut.
„Na, Kleine, was gibt’s? Hast Du schon solche Sehnsucht nach mir?“
„Sehnsucht habe ich tatsächlich, aber nicht nach Dir, Blödmann.“
„Autsch“, lachte Sascha und sagte weiter, „kenne ich ihn denn?“
„Sie. Du kennst sie“, antwortet Marie und lässt eine kurze Pause, „ich suche nämlich meine Kamera.“
„Ähm, ich bin gerade dabei, meine Tasche auszuräumen. Ich sage dir dann nachher Bescheid, ob ich sie gefunden habe.“
„Okay, das wäre super.“
„Kein Problem. Bis später dann.“
„Bis später und danke schon mal im Voraus.“
„Gerne. Ach, und grüß Deine Eltern, wenn Du sie das nächste Mal siehst.“
„Mache ich dann nachher direkt, wir gehen nämlich zusammen essen.“
„Dann guten Appetit, ihr Gourmets“, fügte Sascha noch hinzu und legte mit einem Lachen auf.

Marie schaute auf die Uhr – 16 Uhr. Sie hatte noch genug Zeit, um unter die Dusche zu springen und sich dann noch ein wenig auszuruhen, bevor sie los musste. Sie ging zum Kleiderschrank und legte sich schon die Kleidung heraus, die sie zum späteren Essen anziehen wollte und verschwand anschließend im Bad.
Sie stand erst ein paar Sekunden unter der Dusche und ließ das heiße Wasser über ihren Körper laufen, da bemerkte sie, wie müde sie eigentlich war.

Als sie eine halbe Stunde später wieder herauskam, war sie in den Bademantel gehüllt und hatte die Haare mit einem Handtuch eingewickelt. Sie legte sich auf ihr Bett und teilte der Welt noch über ein soziales Netzwerk mit, dass es zuhause doch am schönsten ist.

Dann stellte sie ihren Wecker und schlief sofort ein.

2 Kommentare 28.8.15 17:04, kommentieren